Vorderasiatische Archäologie
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DigANES

Konzept zur Digitalisierung und Verschlagwortung altorientalischer Roll- und Stempelsiegel-Glyptik (DigANES)

A. Kurmangaliev_nach Buchanan 1981.628


Seit März 2017 arbeiten Dr. Elisa Roßberger und Anna Kurmangaliev M.A., zusammen mit den studentischen Mitarbeitern Wadieh Zerkly, Antonina Rybalchenko, Zena Awad und Svende Bielefeld, an einem „Konzept zur Digitalisierung und Verschlagwortung altorientalischer Roll- und Stempelsiegel-Glyptik“ unter Ägide von Prof. Dr. Adelheid Otto und finanziert durch das Bundesministeriums für Forschung und Bildung im Rahmen der Förderlinie „Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes (eheritage)“.

Zeichnung: Anna Kurmangaliev nach Buchanan 1983, 628

In den Keilschriftkulturen des antiken Vorderen Orients fanden Roll- und Stempelsiegel als personengebundene Bild- und häufig auch Inschriftenträger zahlreich Verwendung. Seit dem späten 4. Jt. v. Chr. wurden sie zur Siegelung von Schriftdokumenten, Tonverschlüssen und als Amulette und gebraucht. Aus einem einzigen mesopotamischen Fundort können tausende verschiedene Siegelmotive bekannt sein, überliefert entweder in Form einer Abrollung oder als Original-Rollsiegel, d.h. in als Stein-, Fritte- oder Tonzylinder von etwa 2-3 cm Größe.

Roll- und Stempelsiegel aus dem heutigen Irak, aus Syrien, dem Iran und der Levante wurden bereits im 18. und 19. Jh. von europäischen und US-amerikanischen Sammlern und Museen angekauft und in Katalogen erschlossen. Viele weitere Siegel und Siegelbildträger (v.a. Tontafeln) wurden im Verlauf des 20. Jhs. bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt. Zudem schenkte die Forschung der letzten Jahrzehnte der Publikation von Siegelungen auf Tontafeln vermehrt Aufmerksamkeit. Entsprechend beläuft sich der Gesamtzahl der aus den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens bekannten Rollsiegel- und Stempelsiegelbilder auf mehrere Zehntausend.

Rollsiegel IB-1378_1983_Dia0794

Abbildung: Abrollung eines Rollsiegels aus Isin (IB-1378 ©Isin Archiv LMU München)

Es ist bis zum heutigen Tag nicht gelungen, die „altorientalische Bilderwelt in Miniatur“ so zu digitalisieren, zu inventarisieren und inhaltlich zu verschlagworten, dass sie für kulturhistorische, religions- und bildwissenschaftliche Studien sinnvoll nutzbar ist. Eine solche Erschließung wird durch die Tatsache erschwert, dass auf einem einzigen Siegel in der Regel eine größere Zahl figürlicher und nicht-figürlicher Bildelemente vorhanden sind, angeordnet in Haupt- und Nebenszenen und in Form von „Füllelementen“. Dazu kommen Inschriften, die in der Regel den/die Siegelinhaber/in nennen, oftmals in Verbindung mit Angaben zu Filiation, Beruf/Titel sowie Götternamen.

Komplexität und Fülle des Materials machen eine synthetische Auswertung mit konventionellen Werkzeugen der Archäologie und Kunstgeschichte fast unmöglich. Ziel unseres Projekts ist es daher durch Digitalisierung, konsistente Verschlagwortung und Anpassung an etablierte Linked-Open-Data Standards einen systematischeren Zugang zu altorientalischen Siegelbildern und zum Verständnis deren semantischer Zusammenhänge zu erzielen. Nur so können zeitgemäße quantitative und qualitative Analysen zum antiken Umgang mit Bildern realisiert werden. Die am Münchner Institut für Vorderasiatische Archäologie vorhandenen Bildersammlungen und Expertisen bieten für ein solches Unterfangen ideale Voraussetzungen.

 

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