Vorderasiatische Archäologie
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FARA Regional Survey Project (FARSUP)

Projektbeschreibung

Im Rahmen des Projektes FARSUP (Fara Regional Survey Project) wird das Gebiet zwischen Fara, dem antiken Šuruppak, und Ishan Bahriyat, dem antiken Isin, gesurveyt. Das Gebiet liegt in der Provinz al-Qadissiyah südlich der Stadt Afak an einem alten Lauf des Euphrats, etwa halbwegs zwischen Nippur und Uruk. Der Survey begann 2016 zunächst als Teil des Qadissiyah Survey Project QADIS, das von Prof. Nicolò Marchetti (University Bologna) und Prof. Abbas al-Hussainy (University Al-Qadisiyah) geleitet wird. Seit 2017 ist FARSUP ein eigenständiges Projekt, das von Prof. Adelheid Otto (LMU München) in Zusammenarbeit mit Prof. Abbas al-Hussainy (University Al-Qadissiyah) geleitet wird. Mitarbeiter des Projektes sind Dr. Berthold Einwag, Hardy Maaß, Christoph Fink, Jacob Jawdat sowie Graduate Students der Universitäten Al-Qadisiyah und der LMU München.

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Schwerpunkt des Unternehmens ist Fara und seine Umgebung, in der einige Dutzend kleinere und größere Siedlung mit Remote Sensing und vor Ort prospektiert wurden, von denen topographische Pläne erstellt und die konventionell gesurveyt wurden. Ein Teil der größeren Fundorte war bereits von Adams und Nissen 1981 begangen worden, jedoch fehlten kleinere Fundorte ebenso wie Pläne der Fundorte und eine Vorlage des Materials.
Fara selbst, mit 180−250 ha eine der größten Städte des dritten Jahrtausends, war bereits 1902-1903 von der Deutschen Orient-Gesellschaft durch Ausgrabungen unter Leitung von Walter Andrae untersucht worden (Heinrich und Andrae 1931), und zwar mit der damals fortschrittlichsten Methode, systematischen Suchschnitten, die noch heute sichtbar sind. 1931 fanden dann im Namen der University of Pennsylvania weitere Ausgrabungen inclusive Tiefschnitten statt (Schmidt 1931) und schließlich führte Harriet Martin 1973 einen dreitägigen Survey des Stadtgebietes durch (Martin 1988).

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2: Digitales Reliefmodell von Fara, mit den begangenen Arealen A-G; die Silos sind als weiße Punkte dargestellt (B. Einwag, G. Luglio)

Diese früheren Forschungen ergaben, dass der Fundort im gesamten dritten Jahrtausend besiedelt war und dass sich zahlreiche Wohnhäuser und Silos im Stadtgebiet befanden, aber viele andere wichtige Fragen blieben offen. Zwar berichten etwa 1000 in den Häusern gefundene Tontafeln von einer zentralisierten Verwaltung unter Leitung eines Herrschers und von der Stadtgöttin Sud (dSU.KUR.RU), jedoch fehlten bislang Spuren von öffentlichen Gebäuden, Tempeln, ja selbst einer Stadtmauer.
Deshalb zielt unser Projekt auf eine systematische Oberflächenbegehung des gesamten Stadtgebietes, das nicht nur aus dem von Andrae mittels Suchgräben erforschten Haupthügel besteht, sondern darüberhinaus aus einer ausgedehnten Unterstadt, die den Haupthügel rings umgibt. In drei Kampagnen 2016, 2017 und 2018 untersuchten wir mittels eines Oberflächensurveys fast das gesamte Gebiet der Unterstadt. 2018 führte Jörg Faßbinder mit seinem Team (Marion Scheiblecker, Sandra Ostner) zudem geophysikalische Untersuchungen durch.
Der Haupthügel war zwischen 2003 und 2006 massivst von organisierten Banden raubgegraben und geplündert worden. Millionen Raublöcher überziehen den gesamten, max. 10m über der Ebene erhabenen Hügel, zerstören die oberen Schichten und machen einen systematischen Survey unmöglich.

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3: Blick über Bereich B mit Resten der Suchschnitte Andraes

 

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4: Raublöcher überziehen den gesamten Hügel von Fara (Drohnenphoto: Friederike Einwag)

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5: Aushub neben einem alten Raubloch mit zur Hälfte erhaltener frühdynastischer Steinschale

Glücklicherweise wurde die flache Unterstadt nur an wenigen Stellen raubgegraben und ist in besserem Zustand. In der Geländebegehung konnten dort verschiedene Gebiete industrieller Nutzung festgestellt werden. Da die Stadt zu Beginn des zweiten Jahrtausends aufgegeben und nie mehr besiedelt wurde, liegen die Schichten des dritten Jahrtausends unmittelbar an der Oberfläche. Daher gestatten die oberflächlich sichtbaren Strukturen sowie Massierungen von Artefakten und Abfall an bestimmten Stellen eine näherungsweise Bestimmung von Nutzungsbereichen der Stadtgebiete. Unter anderem ließen sich Bereiche der Keramikproduktion, der Ziegel-Herstellung, der Steinbearbeitung, Getreidesilos, Bereiche des Getreidemahlens und Brotbackens und anderes mehr feststellen.

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6: Ofen in der Unterstadt

 


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7: Getreidesilo in der Oberstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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8: Grundriss eines frühdynastischen Hauses in Bereich B

Auf Luftbildern, die wir 2018 nach den Winterregen anfertigten, sind zudem zahlreiche Gebäude und Straßen in den Bereichen, die nicht durch die Plünderungen zerstört worden waren, sichtbar.
Die Magnetometerprospektion 2018 erbrachte weitere unerwartete Ergebnisse: am Ostrand der Stadt wurde ein Teil der Stadtmauer entdeckt, und im Zentrum des Haupthügels wurde ein sehr großes Gebäude entdeckt, das höchst wahrscheinlich den Tempel der Stadtgöttin darstellt.

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9: Kombinierte Ergebnisse aus Magnetometerprospektion und Drohnenphotographie: die Stadtmauer von Fara und frühdynastischen IIIa-Häusern am südlichen Hügelrand B (J. Faßbinder/B. Einwag)

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10: Prospektion in Fara

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Die einzigen Seelen in Fara heutzutage: ArchäologInnen (hier bei Essenseinladung durch die Wächter) und Kamele

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Das Team

  • Archäologie: Adelheid Otto und Berthold Einwag, Christoph Fink, Hardy Maaß (2016-2018); Pierre Borsdorf, Friederike Einwag, Johannes Einwag (2018).
  • Geophysik: Jörg Faßbinder, Marion Scheiblecker, Sandra Ostner (2018, alle LMU).

Dank

Unser Dank gilt seiner Exzellenz dem Kultusminister Dr. Abd-el Amir Hamdani, dem Generaldirektor der irakischen Antikenverwaltung SBAH Qais Rasheed, sowie Basim Jabbar und Haidar Laäbi, den Repräsentanten der Antikendienste Diwaniyah und Afak. Wir danken Jacob Jawdat sowie acht Graduate Students der Universität Al-Qadisiyah für ihre hervorragende Mitarbeit.
Ferner danken wir herzlich Prof. Nicolò Marchetti (Universität Bologna), der zunächst unser Forschungsvorhaben als Teil des Qadissiyah Survey Project QADIS aufnahm, und Prof. Abbas al-Hussainy (University Al-Qadisiyah), mit dessen Zusammenarbeit das Projekt durchgeführt wird.

Literatur

  • Adams, R. McC. 1981. Heartland of Cities. Surveys of Ancient Settlement and Land Use on the Central Floodplain of the Euphrates, Chicago.
  • Andrae, W. 1903. Ausgrabungen in Fara und Abu Hatab. MDOG 17, 4−35.
  • Heinrich, E. – Andrae, W. (Hrsg.), 1931. Fara. Ergebnisse der Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Fara und Abu Hatab 1902/03. Berlin 1931.
  • Martin, H. P., 1988. Fara: A Reconstruction of the Ancient Mesopotamian City of Shuruppak, Birmingham.
  • Schmidt, E., 1931. Excavations at Fara, 1931. University of Pennsylvania's Museum Journal 2, 193–217.

 Publikationen aus dem Projekt

  • A. Otto, B. Einwag, The Survey at Fāra – Šuruppak 2016–2018, in: A. Otto, M. Herles and K. Kaniuth (ed.), Proceedings of the 11th International Congress on the Archaeology of the Ancient Near East, Volume 2. Wiesbaden 2020, 293-306.
  • A. Otto, B. Einwag, A. Al-Hussainy, J.A.H. Jawdat, C. Fink, H. Maaß, Destruction and Looting of Archaeological Sites between Fāra / Šuruppak and Išān Bahrīyāt / Isin: Damage Assessment during the Fara Regional Survey Project FARSUP, Sumer 64 (2018) 35-48.
  • N. Marchetti, B. Einwag, A. Al-Hussainy, G. Luglio, G. Marchesi, A. Otto, G. Scazzosi, E. Leoni, M. Valeri, F. Zaina, QADIS. The Iraqi-Italian 2016 Survey Season in the South-Eastern Region of Qadisiyah, SUMER LXIII (2017) 63-92.
  • A. Otto, Auf der Suche nach der Stadt des Sintfluthelden, 95. Jahresbericht der Münchener Universitätsgesellschaft, München 2016, 44-47.

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